Die Gesundheit. Das Ziehen und Rucken des Hundes können zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Schäden führen. Ein Hund mit Beschwerden kann nicht oder nur schlecht lernen. Gesundheit ist daher der erste Aspekt, den wir betrachten. Grundsätzlich ist jeder Ruck, ob am Halsband oder am Brustgeschirr, der Gesundheit des Hundes abträglich.
Der Halsbereich. Halswirbelsäule, Kehlkopf, Schilddrüse, aber auch die oberen Atemwege können durch Rucken und Ziehen am Halsband geschädigt werden. Druck durch dünne Halsbänder und Kettenhalsbänder auf bestimmte Punkte verursacht Schmerzen. Halsbänder ohne Stopp verursachen Luftnot mit dem entsprechenden Würgegefühl. Der Augeninnendruck kann sich durch den Zug des Halsbandes erhöhen, das kann auf die Dauer zu Schädigungen des Auges führen. Ein Halsband muss eine dem Hundehals angepasste Breite haben, darf nicht zu locker und nicht zu festsitzen.
Der Brustkorb und der Rücken. Ein Brustgeschirr allein schützt nicht vor Beeinträchtigungen und kann auch Schäden an der Wirbelsäule oder den Schultergelenken verursachen. Entscheidend dabei sind Schnitt, Passung und der Zug-Punkt. Besonders empfindlich ist der Mittelpunkt der Wirbelsäule auf seitlichen Zug, das muss bedacht werden, wenn der Karabiner im hinteren Rückenring des Geschirres eingeklinkt wird. Zug durch zu dünne Gurte auf die Schultergelenke schädigt Sehnen und Bänder. Die Gurte können hinter die Schulterblätter rutschen und zu Verletzungen führen. Wir lehnen die Arbeit mit „Anti-Zug-Geschirren“ ab, weil die dünnen Bänder Schmerzen erzeugen.
Sowohl Halsband, aber auch das Geschirr können bei falscher Passung und unsachgemäßer Handhabung zu Verspannungen der Muskulatur und Blockierungen führen und damit zur gleichen Symptomatik wie beim Menschen: Kopfschmerz, Schwindelgefühl, Schmerzen in der Wirbelsäule. Der Hund kann uns seine Beschwerden jedoch nicht direkt mitteilen. Unwohlsein und Schmerzen können somit auch ein Grund für aggressives Verhalten sein.
Wir bevorzugen die Arbeit mit einem gutsitzenden Brustgeschirr. In manchen Fällen kann ein breites angepasstes Halsband hilfreich sein. Grundsätzlich schulen wir Sie im schonenden Einsatz von Equipment.
Die soziale Kommunikation unter Hunden an der Leine. Der Halsbereich spielt in der sozialen Kommunikation der Hunde untereinander eine wesentliche Rolle. Der Hund teilt sich seinen Artgenossen überwiegend über Signale der Körpersprache mit und das meistens schon über eine größere Distanz. Zu diesen Signalen gehören, neben vielen anderen Signalen, das Senken und Wegdrehen des Kopfes. Manipuliert der Mensch den Halsbereich durch Halsband und Leine, völlig ohne Absicht, kann es zu Missverständnissen und damit unangemessenen Reaktionen kommen. Inhalt unserer Schulung ist auch immer das Lesen lernen der Hunde. Damit lernen Sie zu Agieren und können somit auch souverän Führen und Anleiten.
Das ist für uns der wichtigste Aspekt für den Einsatz eines gut angepassten Brustgeschirres.
Das Lernen. Die Hunde lernen vor allem über Assoziation, das heißt über unbewusste und bewusste gedankliche Verknüpfung. Alles, was in einer bestimmten Situation wahrgenommen wird, wird miteinander in Verbindung gebracht und mit der empfundenen Emotion zusammen im Gehirn gespeichert. In der nächsten gleichen oder ähnlichen Situation wird auf diese Erfahrung zurückgegriffen und entsprechend der gespeicherten Emotion reagiert.
Ziehen oder Rucken führen zu unangenehmen, frustrierenden bis schmerzhaften Empfindungen. Diese können dann mit den in dieser Situation anwesenden Menschen, Hunden, Tieren, Objekten, Geräuschen oder anderen Umwelteindrücken negativ verbunden werden.
Auch das Ziehen an der Leine kann unerwünschte Folge von Verunsicherung, Frust oder Schmerz durch Druck oder Ruck sein. Der Hund kann nicht verstehen, dass er selbst derjenige ist, der zieht. Er versucht sich den unangenehmen Empfindungen zu entziehen. Zug erzeugt Gegenzug, den Oppositionsreflex: Der Hund setzt den Gegenzug ein, um dem Druck oder Ruck zu entkommen. Oder der Hund ignoriert die Empfindungen im Hals-oder Brustbereich, weil das Ziehen für ihn ein erfolgreiches Verhalten ist: er muss nur ordentlich ziehen, dann kommt er an die Schnüffelstellen seiner Wahl oder dort hin, wohin er gerade möchte. Der Mensch muss dem Hund also den „Sinn der Leine“ vermitteln. Dafür benötigen wir Wissen über Lernabläufe, Hundeverhalten und müssen den schonenden Umgang des Equipments einüben.
Wir bevorzugen für das Training der Leinenführigkeit ein gut angepasstes Brustgeschirr. Manchmal kann ein breites Halsband hilfreich sein. Sprechen Sie uns zum Thema Geschirr, Halsband und / oder Leinenführigkeit gern an.
